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Mareike Krügel - Sieh mich an

Mareike Krügels Roman „Sieh mich an“ nimmt den Leser mit, den vielleicht nicht ganz alltäglichen Alltag von Ich-Erzählerin Katharina (verheiratet, zumindest an den meisten Wochenenden und zwei Kinder, eines davon etwas schwierig – um es vorsichtig auszudrücken) für einen Tag zu begleiten.

Es hat mir schon zu Beginn gefallen, dass man ohne langes Vorgeplänkel sofort in die Handlung geworfen wird und gut sehen kann, mit welchen Problemen Katharina jeden Tag zu kämpfen hat. Nicht ganz unschuldig ist hier ihre Tochter Helena, genannt Helli, die im Verlauf des Tages nicht das letzte Mal für Chaos gesorgt haben wird. Ich muss zugeben, dass ich Helli als sehr anstrengend empfunden habe. Sicherlich war das von der Autorin durchaus so gewollt, aber stellenweise hat mir hier das Lesen kaum noch Spaß gemacht und ich empfand das Buch in manchen Momenten doch als gute Werbung gegen das Kinderkriegen – auch wenn das vielleicht eine eher unpopuläre Meinung sein mag.

Grundsätzlich vermochte das Buch dennoch gut zu unterhalten. Dies lag in erster Linie am Schreibstil, der sich durchweg sehr gut lesen ließ und trotz teilweise inhaltlich spannungsarmer Passagen doch immer wieder zum Weiterlesen animierte. Die Autorin schaffte hier eine schöne Balance, so dass das Buch sich nie dem eher Easy-to-read-Stil beispielsweise eines Chick-Lit-Romans annäherte, aber andererseits auch nicht überzogen und schwurbelig wirkte.

Ein wenig Bedenken hatte ich beim Lesen des Klappentexts, dass der Roman angesichts der angekündigten Ereignisse des abgetrennten Daumens oder des brennenden Trockners ins Alberne abdriften konnte, aber glücklicherweise war dem nicht so. Andererseits muss ich hier auch gleichzeitig sagen, dass _trotz_ dieser nicht alltäglichen Kuriositäten keine große Spannung entstand. Irgendwie hatte ich durchweg das Gefühl, dass trotz aller unterschwellig angedeuteten Ernsthaftigkeit die Handlung durch den Tag plätscherte. Der Roman zog in seiner Gesamtheit ein wenig zu belanglos an mir vorbei, daran konnte auch die ernsthafte und unterschwellig stets präsente Thematik des Es-muss-sich-was-Veränderns nicht viel ändern.

Letztendlich schwankte ich gegen Ende zwischen einer Bewertung von drei oder vier Sternen, da das Buch ja trotz der Kritikpunkte durchaus gut unterhalten konnte… aber leider, leider folgte das Finale in einer Szene, die für meinen Geschmack einfach nicht hätte sein müssen. Nicht, weil ich spießig bin, sondern weil genau hier das befürchtete Übertriebene in geballt auf den Leser einstürzte und ich gar nicht so viel mit dem Kopf schütteln konnte, wie ich wollte. Schade, denn so bleibt doch letztendlich ein etwas fader Nachgeschmack, da zumindest für mich die Szene zu stark im Gedächtnis bleibt. Deshalb gebe ich „Sieh mich an“ gute drei Sterne.

13.8.17 10:37


Carolin Hagebölling - Der Brief

Marie bekommt von einer alten Schulfreundin überraschend einen Brief, auf den sie sich keinen Reim machen kann. Angeblich wohne sie mit ihrem Mann in Paris statt mit ihrer Freundin in Hamburg? Marie beschließt, dem Mysterium nachzugehen, bevor sie glaubt, den Verstand zu verlieren…

Allein schon die Inhaltsangabe hatte mein Interesse geweckt. Das mag auch daran liegen, dass es mich zumindest von der Beschreibung her ein wenig an „Vielleicht morgen“ von Guillaume Musso erinnert hat. Dinge, die eigentlich, logisch betrachtet, nicht sein können, aber dennoch eine Geschichte bilden und hoffentlich auch den Leser zu fesseln vermögen.

Der Einstieg fiel mir denkbar leicht. Bereits die Leseprobe bestärkte mich in meiner Vermutung, dass das Buch in die für mich richtige Richtung ging. Der Schreibstil war locker, leicht und flüssig zu lesen. Im späteren Verlauf waren grad in den Dialogen zwar Stellen dabei, in denen er ins etwas zu Simple abdriftete, aber schlug dennoch glücklicherweise noch den Bogen um das zu Primitive herum.

In erster Linie sorgte der Schreibstil dafür, dass ich das Buch innerhalb eines Tages verschlungen habe. Es kam zu keinem Punkt Langeweile auf, die Geschichte zog sich zu keinem Zeitpunkt. Das war vermutlich auch einem anderen Grund geschuldet: Bei  gerade mal knapp über 200 Seiten bleibt ja auch gar kein Platz für Längen. Leider auch nicht für Tiefgang, vor allem hinsichtlich der Charaktere. Diese bleiben durchweg doch ein wenig zu flach, um sich richtig in sie hineinversetzen zu können und auch die Story selbst hätte in ihrer Gesamtheit auch ein bisschen mehr Zeit und Raum vertragen können. Die Idee war doch ein wenig zu komplex, um die so fix runterrattern zu können, ohne dass doch ein wenig Tiefe auf der Strecke bleibt.

Letztendlich dennoch ein äußerst unterhaltsames Buch mit einer sehr spannenden Idee, grundsätzlich auch gut erzählt – aber wie gesagt etwas zu knapp. Dafür vergebe ich knappe 4 Sterne.

25.5.17 18:42


Frau Freitag - Man lernt nie aus, Frau Freitag!

„Man lernt nie aus, Frau Freitag!“ war mein erstes Buch respektive Hörbuch von Frau Freitag und ich muss sagen, dass ich doch positiv überrascht wurde. Ich habe mir das Hörbuch gleich für den Arbeitsweg ins Auto gepackt, wo es durch die thematische Nähe gleich nochmal an Atmosphäre gewann – um es mal etwas hochtrabend auszudrücken.

Gerade ein Hörbuch steht und fällt ja mit seinem Sprecher; ich musste schon bei einigen nach kurzen Hörproben leider entscheiden, dass ich mir die nicht anhören kann. Cathlen Gawlich aber macht ihre Arbeit für meinen Geschmack aka für meine Ohren richtig gut. Ihre Stimme passt für mich einfach prima zur Geschichte; außerdem hat sie sehr gut die stimmlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Personen, besonders der Fahrlehrer, verdeutlichen können. Die fröhlichen Lieder gegen Ende waren zwar etwas befremdlich, aber hielten sich glücklicherweise in Grenzen.

Inhaltlich und vom Unterhaltungswert wurden insgesamt meine Erwartungen vollends erfüllt. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Hörbuch in der zweiten Hälfte, insbesondere bezüglich der Fahrstunden und der immer gleichen Differenzen zwischen Frau Freitag und ihrem Fahrlehrer, doch etwas repetitiv wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies grad in Buchform etwas langweilig geworden wäre und ich hier zum Querlesen geneigt hätte. Ich glaube, hier hat das Hörbuch aufgrund seiner unterhaltsamen und abwechslungsreichen Sprecherin wirklich einen entscheidenden Vorteil, weshalb ich dennoch reinen Gewissens solide 4 Sterne vergeben kann.

25.5.17 18:42


Nicola Yoon - The Sun is Also a Star.

„The Sun is also a Star“ erzählt von der Begegnung von Natasha und Daniel. Zwei junge Menschen, deren ethnische und familiäre Hintergründe und vor allem Zukunftsaussichten kaum unterschiedlicher sein könnten. Dennoch erzählt die Geschichte sehr kurzweilig und unterhaltsam, man ahnt es bereits, von ihrer Liebe auf den ersten (oder auch zweiten) Blick.

Allein vom Klappentext her hatte mich das Buch ursprünglich gar nicht so interessiert, da ich aber vom Vorgänger „Du neben mir…“ richtig begeistert war, hab ich diesem doch eine Chance gegeben. Zum Glück!

Schon der Einstieg fiel mir wieder sehr leicht, wozu die angenehm kurzen bis äußerst kurzen Kapitel ihren Teil beitrugen. Man wechselt regelmäßig zwischen den Sichtweisen der beiden Protagonisten, was für Abwechslung sorgt und inhaltliche Längen gutvermeidet. Gelegentlich sind ein paar Kapitel eingestreut, die ein wenig mehr über einige der auftauchenden Nebenfiguren erzählen. So erfährt man für das tiefere Verständnis der Story wichtige Hintergründe. Mir persönlich haben diese kurzen Ausflüge sehr gut gefallen, sie sind aber teilweise schon ein wenig ein Bruch in der Geschichte und drosseln das Tempo. Ich kann mir zumindest vorstellen, dass sie Geschmackssache sein könnten.

Die Protagonisten Natasha und Daniel waren mir grundsätzlich sehr sympathisch, wobei vor allem Natasha schon einige Ecken und Kanten hat. Aber genau diese sorgten dafür, dass vor allem die Dialoge zwischen den beiden einfach ein Genuss waren. Natürlich ahnt man von Anfang an, wie sich die Gefühle der beiden entwickeln, aber dennoch waren die kleinen Sticheleien (wenn man sie als solche bezeichnen kann) verdammt unterhaltsam.

Letztendlich werde ich zwar das Gefühl nicht los, dass mich das Buch in seinem grundsätzlichen Aufbau schon ein wenig an „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf dem ersten Blick“ von Jennifer E. Smith erinnert, aber es ist einfach so unterhaltsam, sympathisch und kurzweilig geschrieben, dass ich es fast in einem Rutsch verschlungen habe und eine eindeutige Leseempfehlung aussprechen möchte!

14.5.17 21:23


Leonie Lastella - Brausepulverherz

Zuerst einmal: Das Cover hat mir sehr gut gefallen und hebt sich auch angenehm von der Masse der Covergestaltungen in diesem Genre ab mit der Silhouette der beiden Liebenden. Der Sonnenuntergang und das Meer lassen sofort Urlaubsstimmung aufkommen. Leider konnte das Buch selbst meine diesbezüglichen Erwartungen an den Inhalt nicht zu 100% erfüllen.

Das Setting stimmte von Anfang an. Die Beschreibung des italienischen Dörfchens, das Dolce Vita - alles durchweg zu meiner vollen Zufriedenheit. Man fühlte sich fast immer ans Meer und in den Urlaub versetzt.

Am Schreibstil habe ich bis auf die Tatsache, dass sich die Autorin nicht zwischen den Schreibweisen "Kathi" und "Kathie" entscheiden konnte, nichts auszusetzen. Der passte für meinen Geschmack sehr gut zum Genre, zum Setting und auch zu den Protagonisten. Grundsätzlich ließ sich das Buch flott weglesen... Meine Probleme, weshalb ich mich dann doch oft motivieren und aufraffen musste, um das Buch wieder in die Hand zu nehmen, waren anderer Natur.

Da wären nämlich vor allem die Protagonisten. An sich machten Jiara und Milo am Anfang keine schlechte Figur und das Buch steuerte auf die Richtung zu, die ich erwartet hab: Rettungslos verknallt, ein wenig Hin und Her - und dann hoffentlich ein Happy End.

Dieses Hin-und-Her war irgendwann aber leider ganz gar anstrengend. Die Dame und der Herr sind einfach nicht damit zu Potte gekommen, was sie denn jetzt bitteschön wollen. Ein Schwung Selbstzweifel, bisschen Bockigkeit, generell Planlosigkeit... grundsätzlich jetzt nicht die schlechtesten Gründe, die Geschichte ein wenig spannend zu machen und nicht gleich nach 100 Seiten mit einem ordentlichen Techtelmechtel zu beenden! Aber leider zog sich dadurch einerseits die Geschichte irgendwann (meiner Meinung nach) unnötig in die Länge und spätestens im letzten Drittel verloren beide Protagonisten dann so viele Sympathiepunkte, dass ich sie am liebsten geschüttelt hätte.

Der Schluss passt für mich dann wieder und war rund und prima... aber der Weg dorthin war dann leider nicht locker und fluffig genug, wie ich es mir erwartet und erhofft hatte.

Letztendlich also gute drei Sterne
14.5.17 21:22


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